1 Sep 2020

„Neugeschäft kann man genauso gut per Video gewinnen oder verlieren“

Ein Ausblick auf das 2. Halbjahr 2020.

Tobias Phleps, CEO

Ende vergangener Woche präsentierte WPP die Zahlen für das 2. Quartal und das 1. Halbjahr 2020. Mit einem Rückgang von 9,5 Prozent hat die Coronakrise, wie erwartet, auch die Muttergesellschaft von Superunion hart getroffen. Laut WPP CEO Mark Read gibt es dennoch Grund zum Optimismus. Obwohl die veröffentlichen Zahlen erschütternd wirken mögen, ist die Leistung der WPP-Gruppe besser als erwartet gewesen, unter anderem dank der Stärke und Stabilität der größten Bestandskunden sowie der Gewinn von Neugeschäft beachtlichen Volumens. Auch Tobias Phleps, CEO Superunion Germany, blickt positiv auf die verbleibenden Monate des Krisenjahres. Ein Kommentar über das Arbeiten im Ausnahmezustand, die neue Rolle der Technologie und ob Home Office im Branding Business die Zukunft ist.

Wir arbeiten in einer Branche, in der es glücklicherweise möglich ist, den größten Teil unserer Arbeit ortsunabhängig auszuführen – vor allem in dieser Zeit ein Privileg, das nicht selbstverständlich ist. Seit Jahren wird von New Work gesprochen und der Frage, wie und wo wir in Zukunft arbeiten. Gefühlt ändern sich die Ansichten dazu mittlerweile täglich. Im Home Office zu arbeiten war bei Superunion schon immer möglich und ein fester Teil unseres Arbeitsalltages und unserer Unternehmenskultur. Auch in Zukunft werden wir es dem Team ermöglich, verstärkt on remote zu arbeiten. Dennoch offerieren wir den Kollegen und Kolleginnen, den Gang oder die Fahrt ins Office nicht komplett aufzugeben. Wir haben mit Sicherheit alle in den vergangenen Wochen und Monaten Dinge festgestellt, auf die wir in Zukunft verzichten können, wenn wir wieder regelmäßig ins Büro gehen. Umso mehr haben wir aber auch gemerkt, was auch noch so viele Videocalls nicht ersetzen können – und das ist der soziale Kontakt zu einander, sei es beim morgendlichen Stand-Up Meeting, in kurzen, effektiven Designabstimmungen zwischen Terminen oder beim Plausch an der Kaffeemaschine. Remote Working kann, wie wir aktuell sehen, ohne Zweifel funktionieren und ist nach ersten Erkenntnissen in einigen Fällen sogar effizienter. Aber, wie bei allem, ist es kein Allheilmittel.

 

Technik vs. Mensch: Neue Rollenverteilung im Branding?

Corona hat uns vor allem gezeigt, dass es den ganzen Reisezirkus für Meetings am anderen Ende der Welt nicht zwingend braucht – der Technik sei Dank. Neugeschäft kann man genauso gut per Video gewinnen oder verlieren, Kunden-Workshops lassen sich, dank Tools wie Milanote und Miro, auch effektiv virtuell durchführen. Dafür ist aber nicht nur die richtige Technik auschlaggebend und erfolgsentscheidend, sondern vor allem die Bereitwilligkeit, das eigene Verhalten und Gewohnheiten den neuen Situationen und Herausforderungen anzupassen. Künftig sehe ich für die Branding-Branche, dass Technologie Arbeitsprozesse vereinfacht und Lebenszeit zurückgibt, aber Technik kann noch nicht – ‘Gott sei Dank‘ – schöpferisch und strategisch den Menschen ersetzen.

 

Mit Optimismus durchs 2. Halbjahr

Die letzten Monate sind mit nichts vergleichbar, was wir bisher erlebt haben und auch wenn es Herausforderungen gab und das Remote Office oftmals weitaus mehr Disziplin erfordert, als ins Büro zu gehen, bin ich sehr stolz auf das, was wir in der Zeit gemeinsam geleistet und möglich gemacht haben. Wir haben neue Arbeitsmodelle für unsere Kunden entwickelt, und damit erfolgreich virtuelle Workshops durchgeführt, in etlichen Präsentationen über Videocalls überzeugt und Pitches für uns entschieden. Im ersten Halbjahr 2020 zählen wir mehr Neugeschäftsgewinne als im Vergleich zum Vorjahr. Ferner hat uns Covid19 dazu gezwungen sämtliche Kosten rigoros zu überprüfen. Beides führte und führt aktuell zu einem signifikant besseren betriebswirtschaftlichen Ergebnis. Viele kleinere Player hingegen werden die Krise leider nicht überleben, ferner entstehen neue oder neu fusionierte Unternehmen.

Vergleichbar wird auch nicht jede Wirtschaft gestärkt aus der Krise gehen und auch nicht jedes Land ist für die Post-Pandemie-Welt bereit. Als eines der wenigen Länder, hat es Deutschland geschafft, Lösungen zur Schadensbegrenzung zu schaffen und mit Maßnahmen zu reagieren, die unsere vorhandenen Stärken hervorgehoben haben. Auch in der Kreativbranche ist das spürbar geworden, obwohl auch wir Verluste einstecken mussten. Aber: es geht seit Beginn des 3. Quartals auch wieder bergauf und wir schauen mit Optimismus auf das zweite Halbjahr – auch wenn wir dafür einen etwas längeren Atem brauchen, als Anfang des Jahres gedacht.